Manche Entscheidungen lassen sich nicht auf Basis eines einzigen Wertes fällen. Ob beim Produktvergleich, der Mitarbeiterbeurteilung oder der politischen Positionierung, oft spielen mehrere Dimensionen gleichzeitig eine Rolle. Für solche multidimensionalen Vergleiche eignet sich der Spider Chart. Anders als klassische Charts bildet er nicht nur zwei, sondern viele Variablen gleichzeitig ab. Die verbundenen Datenpunkte ergeben ein Profil, welches Muster, Stärken und Schwächen sofort erkennbar macht. In diesem Beitrag zeigen wir, wie Spider Charts funktionieren, wo sie eingesetzt werden und worauf man bei der Anwendung achten sollte.
In der Schweiz kennt man Spider Charts, wenn man sich vor Wahlen über PolitikerInnen informieren möchte. Via Smartvote werden Profile von PolitikerInnen erstellt, um zu Visualisieren in welchen Themenbereichen sie politisch wo stehen. Mit einem eigenen Profil ist dann ersichtlich, welche Kandidaten zu einem passen.

Spider Charts (auch Radar Charts oder Netzdiagramm genannt) stellen mehrere Dimensionen gleichzeitig dar. Jedes politische Thema wird auf einer eigenen Achse resp. Skala bewertet (tiefer Wert = schwache Zustimmung, hoher Wert = hohe Zustimmung) und resultiert in einer polygonalen Form. In diesem Fall hier ergibt es ein politisches Profil. Legt man mehrere Profile übereinander, können diese miteinander verglichen werden. So erkennt man, ob man mit einem Kandidaten politisch übereinstimmt oder nicht.
Aufbau eines Spider Charts
Im Zentrum des Charts steht der Nullpunkt oder Minimalwert. Hier treffen alle Achsen aufeinander. Jede Achse steht für eine Dimension (z.B. Preis, Qualität, Design, etc.) und alle haben die gleiche Länge. Diese Längen stellen Skalen dar und sind normalisiert sein. Das heisst die Lese-Richtung ist bei allen Achsen dieselbe.
Ein Beispiel: Ein Smartphone-Vergleich zeigt die Dimensionen Design, Akku, Kamera, Bedienung und Preis. Eine Skala von 0 bis 10 sollte somit bei höheren Werten die Stärken darstellen (ansprechendes Design, langer Akku, gute Kamera, benutzerfreundliche Bedienung und tiefer Preis). Ein teures Model erhält somit einen niedrigen Wert auf der Skala bei “Preis”.
Die Datenpunkte werden nun auf den Achsen entsprechend ihres Wertes markiert. Je weiter draussen, desto höher der Wert. Die Punkte werden miteinander verbunden und es entsteht ein Polygon (Vieleck). Optional kann die Fläche farbig gefüllt werden, um das Profil zu betonen.

Auf diese Weise kann man schnell ablesen, in welcher Kategorie ein Produkt stark ist und wo andere (wenn mehrere Produkte überlagern) besser sind. Es ist erkennbar, ob ein Produkt ausgewogen ist oder in gewissen Bereichen Stärken oder Schwächen hat. Es liegt oft in der Natur der Sache, dass der Preis “schwach” ist, wenn die Qualität und Inhalt top sind. Hier liegt es dann am Konsument zu entscheiden, wo die Prioritäten liegen.
Typische Anwendungsfälle für Spider Charts
Im Business gibt es immer mal wieder Situationen, in denen ein Spider Chart eine geeignete Visualisierung ist. Sie eignen sich immer dann, wenn mehrere Kriterien gleichzeitig verglichen werden sollen und es weniger um exakte Einzelwerte geht, sondern um das Gesamtprofil oder Muster.
Der oben genannte Produktvergleich ist ein Beispiel dafür. Das kann z.B. mit einem eigenen Produkt gegenüber Mitbewerbern gemacht werden, oder bei der Evaluation für eine Produktanschaffung. Ein ähnlicher Use Case ist die Lieferantenbewertung. Hier werden Dienstleistungsmerkmale wie Service, Zuverlässigkeit, Support, Preis, etc. miteinander verglichen, um den optimalen Lieferanten auszuwählen. Das Einkaufsteam kann die Lieferanten ganzheitlich vergleichen. Lieferant A ist technisch stark aber teuer, Lieferant B ist günstig aber mit schwächeren Referenzen, Lieferant C bietet den besten Support. Die Entscheidung basiert nicht nur auf dem Preis, sondern auf dem Gesamtprofil.
Ein weiterer Bereich sind Mitarbeiterbewertungen für Performance Reviews, aber auch Entwicklungsgespräche oder Projektplanung. Je nach Position können das unterschiedliche Dimensionen sein (Fachkompetenz, Kommunikation, Zeitmanagement, Technische Skills, etc.). HR und Vorgesetzte sehen sofort, welche Kompetenzen bereits stark ausgeprägt sind und wo Weiterbildungsbedarf besteht. Mitarbeitende können ihre Profile mit dem Sollprofil für eine höhere Position vergleichen und gezielt an Entwicklungsfeldern arbeiten.
Ein weiterer Anwendungsfall ist die Risikobewertung. Unternehmen bewerten damit z.B. potenzielle Expansionsmärkte, Investitionen oder strategische Projekte über verschiedene Risikodimensionen hinweg. Das Management sieht sofort, welche Option das ausgewogenste Risikoprofil hat und wo höhere Risiken bestehen. Land A bietet beispielsweise hohe Compliance-Sicherheit aber schwächeres Marktpotenzial, Land B zeigt ein ausgewogenes Profil, während Land C hohes Marktpotenzial mit erheblichen politischen Risiken kombiniert. Die Entscheidung basiert nicht auf einer einzelnen Kennzahl, sondern auf dem Gesamtrisikoprofil.
Darauf ist zu achten
Bei aller Vielseitigkeit ist bei Spider Charts auch Vorsicht geboten. Ein häufiger Fehler ist die Verwendung von zu vielen Achsen. Bei zu vielen Dimensionen wird die Grafik schnell unleserlich und überladen. Weniger ist hier definitiv mehr.
Ein weiteres Problem ist die Reihenfolge der Achsen. Diese beeinflusst die wahrgenommene Form des Polygons erheblich. Achsen nebeneinander mit ähnlichen Werten erzeugen eine andere visuelle Wirkung, als wenn sie gegenüber liegen. Die Reihenfolge sollte daher logisch gewählt werden (zusammenhängende Dimensionen nebeneinander) und vor allem konstant bleiben, wenn mehrere Charts verglichen werden sollen.
Kritisch ist auch die Skalierung. Alle Achsen müssen die gleiche Skalierung aufweisen, sonst ist die Form des Polygons irreführend. Ausserdem sollte man beachten, dass bei der Ausrichtung der Achsen alle in die gleiche Richtung zeigen. Ein hoher Wert sollte immer positiv sein. Um nochmals das Beispiel “Preis” vom oberen Kapitel zu nehmen: Besser die Bezeichnung “Preis-Leistung” statt “Preis” verwenden, damit ein hoher Wert auf dieser Achse tatsächlich etwas Positives darstellt.
Beim Vergleich mehrerer Entitäten wird es schnell unübersichtlich. Viel mehr als drei Profile sollten nicht übereinandergelegt werden, sonst geht die Lesbarkeit verloren. Hier helfen Farben und Transparenz, oder man weicht auf Small Multiples aus (mehrere kleine Spider Charts nebeneinander, jeweils für eine Entität).
Spider Charts sind nicht immer die beste Wahl. Wenn es um präzise Wertvergleiche geht, sind Bar Charts eindeutig besser zu lesen (Menschen können Längen besser vergleichen als Winkel und Flächen). Für tabellarische Vergleiche über viele Kategorien hinweg ist eine Heatmap oft die klarere Alternative.
Fazit
Der Spider Chart ist ein wertvolles Werkzeug für multidimensionale Vergleiche, solange man ihn bewusst einsetzt. Er eignet sich hervorragend, um Profile oder Muster sichtbar zu machen, allerdings nur bei einer überschaubaren Anzahl von Dimensionen und Vergleichsobjekten. Bei zu vielen Kategorien oder wenn präzise Werte im Vordergrund stehen, sollte man auf Alternativen wie Bar Charts oder Heatmaps zurückgreifen. Richtig angewendet, macht der Spider Chart komplexe Sachverhalte auf einen Blick erfassbar.
Mehr zu verschiedenen Chart Typen findet man hier: Blog Beiträge zu Chart Typen
