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Pie Charts – Sind sie wirklich böse?

Pie Charts sind beliebt und verpönt zugleich. Die Kuchendiagramme sind seit Jahrzehnten ein beliebtes Mittel zur Visualisierung. Bei Excel sind sie immer noch an einer der ersten Stellen bei der Auswahl eines Chart Types. Und doch werden sie (heutzutage) in der Visualisierung von Daten nicht empfohlen – aus guten Gründen. Einige Verfechter gehen sogar so weit, die Pie Charts als „böse“ zu bezeichnen und finden keinen Einsatz für sie. Wir stellen in diesem Artikel das altbekannte Diagramm vor und zeigen auf, warum es eben kein geeignetes Mittel zur Visualisierung ist und wo wir jedoch Ausnahmen sehen.

Einsatz von Pie Charts

Pie Charts (Kuchendiagramme) stellen üblicherweise Anteile am Ganzen dar. Wie gross sind die Wähleranteile bei politischen Wahlen? Wie sieht das Abstimmungsergebnis nach einer Umfrage aus? Welcher Umsatzanteil wurde pro Produktkategorie erzielt? Ein Kuchen (360 Grad) ergibt also immer das Ganze oder anders gesagt 100%. Somit sind die Verhältnisse der einzelnen Kategorien zueinander ersichtlich. Wo liegt also das Problem?

Viele Kategorien bringen nichts

Bei dieser Aussage sind sich wahrscheinlich noch alle einig. Wenn viele Datenkategorien dargestellt werden sollen, dann eigenen sich Pie Charts schlichtweg nie. Die Grafik ist nicht lesbar, auch wenn noch die Datenwerte (Anteile absolut oder in Prozent) angegeben werden.

Pie Charts mit vielen Kategorien
Pie Charts mit vielen Kategorien – sortiert nach Grösse und alphabethisch

Durch die Sortierung nach Grösse (links) erkennt man gerade mal noch die Kategorien mit dem höchsten Wert, aber mehr auch nicht. Bei der Sortierung nach Kategorie (rechts) erkennt man noch viel weniger.

Es ist also offensichtlich, dass sich eine Pie Chart nur eignet, wenn es ganz wenige Kategorien zu vergleichen gibt. Aber auch in diesem Fall ist es problematisch, wenn sich die Datenwerte nur marginal unterscheiden. Es ist schlichtweg schwer zu lesen.

Pie Charts mit wenigen Kategorien

Nehmen wir ein Beispiel mit drei Kategorien. Unterscheiden sich deren Werte eindeutig, so kann eine Pie Chart gut als Darstellung verwendet werden. Werden keine Datenwerte mit angezeigt, so bekommt man mit der alternativen Bar Chart nicht mehr Informationen als mit der Pie Chart.

Chart mit drei Kategorien und grossen unterschieden
Pie Chart vs. Bar Chart bei klaren Unterschieden

Was aber, wenn sich nun die Kategorien plötzlich nicht mehr so klar voneinander unterscheiden? Gerade bei Reports und Dashboards, bei denen die unterliegenden Daten sich stetig ändern, kann man das nicht beeinflussen. In dem Fall ist eben die Bar Chart die bessere Alternative, weil hier die kleinen feinen Unterschiede erkennbar sind – auch ohne absolute Nennung der Datenwerte.

Chart mit drei Kategorien und kleinen unterschieden
Pie Chart vs. Bar Chart bei kleinen Unterschieden

Oder hätte hier jemand in der Pie Chart erkennt, welche Kategorie grösser oder kleiner ist? Die Aussage der Pie Chart ist hier lediglich, dass die drei Kategorien ziemlich genau gross sind. Das ist zwar auch eine Erkenntnis, aber bei der Bar Chart sieht man dann eben doch den kleinen Unterschied.

Pie Charts mit genau zwei Kategorien

Hier kommen wir nun zu dem einen Fall, bei dem unserer Ansicht nach eine Pie Chart verwendet werden kann: Wenn wir genau zwei Kategorien zur Auswahl haben.

Pie Charts mit zwei Kategorien und grossen unterschieden
Pie Chart vs. Bar Chart mit zwei Kategorien und grossem Unterschied

Bei lediglich zwei Kategorien ist der Effekt bei Pie Chart und Bar Chart ähnlich und man sieht den Anteil oder das Verhältnis mit blossem Auge. Das ist auch der Fall, wenn der Unterschied der Werte sehr klein ist, wie nachfolgende Grafik zeigt.

Pie Charts mit zwei Kategorien und kleinen unterschieden
Pie Chart vs. Bar Chart mit zwei Kategorien und kleinem Unterschied

Mit zwei Kategorien wiederum können Kategorien mit Wert „0“ in der Pie Chart nicht dargestellt werden. Bei der Bar Chart ist immerhin ersichtlich, dass es noch einen zweiten Wert gibt. Je nach Aufgabestellung resp. der Message, die man übermitteln möchte, kann das entscheidend sein.

Charts mit null werten
Pie Chart vs. Bar Chart mit Null-Werten

Fazit

Es gibt fast immer einen Grund, warum man auf einen alternativen Chart Type ausweichen sollte. Bei wenigen Kategorien und klaren Grössenunterschiede sind Pie Charts durchaus eine Option. Dabei sollte man allerdings beachten, dass bei sich ändernden Datengrundlagen diese Unterschiede ändern werden. Wenn im Rahmen von Data Storytelling jedoch eine Erkenntnis vermittelt werden sollte, bei der einen eindeutiges Grössenverhältnis vorliegt, dann darf man ruhig auch die gute alte Pie Chart zur Hand nehmen. Bar Charts sind die naheliegenden Alternativen. Es lohnt sich aber auch, mal einen Blick auf Treemaps zu werden, welche als Teil-des-Ganzen ebenfalls dienlich sind, vor allem bei der Darstellung von Subkategorien. Einen guten Artikel zu Treemaps findet man auf storytelling with data (Englisch). Weitere Tipps bei der Auswahl von geeigneten Charts finden Sie in unserem Artikel 7 Tipps bei der Auswahl von Charts.